Eingeleitete Geburt: Was ist das und wann wird sie durchgeführt?
Die Einleitung der Wehen mit künstlichen Methoden ist eine wichtige medizinisch-geburtshilfliche Technik, die eingesetzt wird, um den Geburtsprozess zu starten und Komplikationen zu vermeiden. Im Folgenden erfahren Sie, wann eine Einleitung durchgeführt wird, in welchen Fällen und mit welchen Techniken.
Was ist eine eingeleitete Geburt und warum wird sie durchgeführt?
Unter einer eingeleiteten Geburt versteht man die künstliche Auslösung oder Beschleunigung der Wehen. Ziel ist es, das Baby früher zur Welt zu bringen und so zu vermeiden, dass es länger als notwendig im Mutterleib bleibt. Dadurch lassen sich Risiken und Komplikationen sowohl für das Baby als auch für die Mutter reduzieren.
Wann wird eine Einleitung durchgeführt?
Eine Schwangerschaft dauert in der Regel etwa 40 Wochen, wobei eine Geburt zwischen der 38. und 42. Woche als physiologisch gilt. Normalerweise wird eine Geburtseinleitung ab der 41. Woche in Betracht gezogen (genauer gesagt, wenn die 41. Woche überschritten ist, also zwischen der 41. und 42. Woche). Die verlängerte Schwangerschaft ist jedoch nicht der einzige Grund.
Es gibt auch gesundheitliche Gründe, die eine Einleitung erforderlich machen können, zum Beispiel:
- Vorzeitiger Blasensprung ohne natürliche Wehentätigkeit
- Auffälligkeiten an der Plazenta
- Veränderungen des Fruchtwassers
- Wachstumsrestriktion des Fetus
- Adipositas
- Diabetes
- Nierenerkrankung oder Schwangerschafts-Cholestase
- Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen
Wie wird die Geburt eingeleitet: Techniken der Einleitung
Bevor eine Geburt eingeleitet wird, prüft die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt verschiedene Faktoren: die allgemeine Gesundheit von Mutter und Kind, die Schwangerschaftswoche und Größe des Babys, die Lage des Kindes im Uterus und den Zustand des Gebärmutterhalses. Es stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, und das medizinische Team entscheidet je nach individueller Situation und Grund für die Einleitung.
Zu den häufig eingesetzten Techniken zählen:
- Lösung der Eihäute
- Reifung des Gebärmutterhalses mittels mechanischer Methoden oder medikamentös mit Prostaglandinen
- Intravenöse Gabe von Oxytocin
- Künstlicher Blasensprung (Amniotomie)
Wichtig zu wissen: Manchmal kann bei einer Einleitung eine Periduralanästhesie (PDA) notwendig werden, da die Wehen intensiver sein können als bei einer spontan einsetzenden Geburt.
Wie lange dauert eine eingeleitete Geburt?
Es gibt keine festen Zeitangaben – die Dauer hängt stark von der Reife des Gebärmutterhalses ab. Bei Oxytocin dauert es im Durchschnitt 4–5 Stunden, während bei Prostaglandinen eine Wirkzeit von bis zu 12 Stunden üblich ist. Nach einem Blasensprung oder dem Lösen der Eihäute setzen die Wehen in der Regel innerhalb kurzer Zeit ein. Im Allgemeinen wartet man etwa 12 Stunden, bevor entschieden wird, ob eine andere Methode angewendet oder ein Kaiserschnitt (siehe Artikel) in Erwägung gezogen wird.
Risiken und Gegenanzeigen einer eingeleiteten Geburt
Eine Geburtseinleitung ist ein sensibler Eingriff, weshalb Ihr Arzt oder Ihre Ärztin stets das Verhältnis von Nutzen und Risiken sorgfältig abwägen wird. Zu den möglichen Risiken gehören: die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts, die Geburt eines Frühgeborenen (siehe Artikel) mit den damit verbundenen Herausforderungen, eine Verringerung der kindlichen Herzfrequenz, Infektionsrisiken oder eine postpartale Blutung. Eine Geburtseinleitung ist kontraindiziert, wenn:
- Eine Placenta praevia vorliegt
- Bereits ein Kaiserschnitt durchgeführt wurde
- Das Kind in Querlage liegt
- Schwere fetale Komplikationen bestehen