Baby-led Weaning - Was ist das und wie funktioniert es?

Ein Ansatz zur Ernährung, der auf der Selbstständigkeit des Babys basiert

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Etwa um den fünften oder sechsten Lebensmonat erhalten Eltern von Kinderärztinnen und Kinderärzten erste Empfehlungen zur Einführung fester Nahrung. Dieser sensible Entwicklungsschritt erfordert eine sorgfältige Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten. Tatsächlich gibt es unterschiedliche Ansätze für den Übergang zu fester Kost. Traditionell beginnt die Beikosteinführung mit Breien auf Basis von Getreide, Obst oder püriertem Fleisch und wird im Verlauf der Monate um weitere Lebensmittel erweitert.

 

Eine Alternative dazu ist das sogenannte Baby-led Weaning (BLW), auch „breifreie Beikosteinführung“ genannt. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Baby, Lebensmittel selbstständig zu erkunden – immer unter der aufmerksamen Begleitung der Eltern. In diesem Artikel wird erläutert, was Baby-led Weaning ist, wie es funktioniert und welche Vorteile dieser Ansatz mit sich bringen kann.

Baby-led Weaning: Welche Vorteile bietet es?

Baby-led Weaning basiert auf Autonomie und Vertrauen. Das Baby entscheidet dabei selbst, was und wie viel es essen möchte, wird zur Erkundung angeregt und entwickelt schon früh eine gesunde Beziehung zu Lebensmitteln. Das Grundprinzip ist leicht nachzuvollziehen: Wenn Eltern dem Kind bereits beim Stillen oder der Flaschenernährung vertrauen, dass es seine Trinkmenge selbst regulieren kann – warum sollte dies nicht auch für feste Nahrung gelten?

 

Baby-led Weaning bietet dem Kind zahlreiche Vorteile:

 

Förderung des Selbstvertrauens, da das Kind aktiv am eigenen Ernährungsprozess beteiligt ist.

Unterstützung der motorischen und kognitiven Entwicklung durch das eigenständige Erkunden von Lebensmitteln.

Erweiterung des Geschmackssinns, da verschiedene Lebensmittel einzeln kennengelernt werden.

● Aufbau einer gesunden Beziehung zum Essen, weil das Kind lernt, auf Hunger- und Sättigungssignale zu achten.


Die Eltern spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie schaffen eine sichere und anregende Umgebung und bieten geeignete, ausgewogene Lebensmittel an. Davon profitiert auch die Ernährung der gesamten Familie, denn eine ausgewogene Familienkost ist Voraussetzung, um sie dem Kind vorleben und anbieten zu können.

Beikosteinführung oder Baby-led Weaning?

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Baby-led Weaning und traditioneller Beikosteinführung sind:

Elterliche Kontrolle: Bei der traditionellen Beikosteinführung bestimmen die Eltern sowohl die Art als auch die Menge der angebotenen Lebensmittel. Beim Baby-led Weaning wählt das Kind hingegen selbst aus dem von den Eltern angebotenen Essen, welche Lebensmittel es probieren möchte und in welcher Menge – stets unter Aufsicht von Erwachsenen.

Lebensmittelauswahl: Traditionell werden dem Baby speziell ausgewählte und zubereitete Lebensmittel angeboten. Beim Baby-led Weaning wird hingegen nicht separat für das Baby gekocht; es erhält Zugang zu den Lebensmitteln, die die Familie isst – selbstverständlich mit Ausnahme von nicht sicheren oder altersunangemessenen Lebensmitteln.

Konsistenzen der Lebensmittel: In der traditionellen Beikosteinführung werden feste Nahrungsmittel zunächst in Form von Pürees eingeführt, um die Aufnahme zu erleichtern. Beim Baby-led Weaning hingegen werden verschiedene Konsistenzen angeboten, und die Lebensmittel werden in sicheren, gut greifbaren Stücken serviert.

Gemeinsame Mahlzeiten: Beim Baby-led Weaning essen Eltern und Kinder gemeinsam, wodurch eine soziale Erfahrung beim Essen entsteht – im Gegensatz zur traditionellen Beikosteinführung, bei der dies oft nicht der Fall ist.

Wie funktioniert Baby-led Weaning? Die wichtigsten Grundprinzipien

Wie bereits erläutert, basiert das Baby-led Weaning auf dem Prinzip, die Selbstständigkeit und Selbstregulierung des Kindes im Umgang mit fester Nahrung zu fördern. Dieser Ansatz ist sehr geschätzt, da er den Fokus auf die biologischen Bedürfnisse und die psychomotorischen Fähigkeiten des Kindes legt. Es gibt einige Schlüsselprinzipien, die helfen zu verstehen, wie Baby-led Weaning funktioniert.


Hunger- und Sättigungsgefühle respektieren

Erstens sollte das Kind niemals zwangsernährt werden. So kann es wirklich selbstbestimmt mit dem Essen umgehen und ein Bewusstsein für Hunger- und Sättigungsgefühle entwickeln.

    

Kindgerechte Stücke statt Brei

Zudem sollten die Lebensmittel in sicheren Stücken angeboten werden, jedoch nie püriert oder fein zerkleinert. Dadurch kann das Kind die Nahrung mit den Händen erkunden, seine motorischen Fähigkeiten fördern und verschiedene Konsistenzen kennenlernen.

 

Selbstregulierung von Anfang an fördern

Vertrauen spielt eine zentrale Rolle beim Baby-led Weaning. Dem Kind muss erlaubt werden, seine angeborenen Fähigkeiten zur Selbstregulierung und zum Umgang mit Nahrung zu nutzen.

 

Essen als Familienmoment

Nicht zuletzt sind die Mahlzeiten beim Baby-led Weaning wichtige gemeinsame Familienmomente. Es werden keine speziellen Mahlzeiten für das Kind zubereitet, sondern es ist wichtig, dass es mit der ganzen Familie am Tisch sitzt.

 

Um diesen pädagogischen Ansatz zu unterstützen, gibt es speziell entwickelte Hochstühle wie den Chicco Meraviglia. Dieser Evolutionsstuhl kann bereits ab der Geburt mit der passenden Liegefunktion genutzt werden und ab etwa sechs Monaten als Hochstuhl am Tisch dienen. So können die Kleinsten gemeinsam mit den Erwachsenen sitzen und begleitet werden sie dabei auf ihrem Wachstumspfad.

Wann sollte man mit Baby-led Weaning beginnen?

Laut den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte mit dem Baby-led Weaning nicht vor dem sechsten Lebensmonat begonnen werden. Das Kind muss körperlich und emotional bereit sein, diesen neuen Entwicklungsschritt zu meistern.

 

Dafür ist es wichtig, bestimmte psychomotorische Signale zu beobachten, wie zum Beispiel: das Interesse des Kindes an Nahrung, das Nachlassen des Zungenstoßreflexes (Extrusionsreflex), die Fähigkeit, selbstständig und ohne Umkippen zu sitzen, sowie eine gute Koordination von Augen, Hand und Mund.

 

Diese Voraussetzungen werden in der Regel zwischen dem 6. und 12. Monat erreicht. Dabei ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und die individuellen Entwicklungszeiten zu respektieren.

Erste Schritte beim Baby-led Weaning: praktische Tipps

Hat man sich für den Beginn des Baby-led Weaning entschieden, ist es wichtig zu wissen, womit man startet und einige Hinweise zu beachten.


Zunächst gilt: Feste Mahlzeiten ersetzen anfangs nicht vollständig das Stillen oder die Flaschennahrung. Es wird empfohlen, dem Kind etwa eine halbe Stunde vor der Familienmahlzeit Milch zu geben. So kann es aus Neugier und Freude am Entdecken essen, nicht nur aus Hunger. Mit der Zeit und zunehmender Begeisterung für feste Nahrung werden die Milchmahlzeiten rund um die Hauptmahlzeiten allmählich wegfallen.

 

Es ist ratsam, mit weichen Lebensmitteln zu beginnen, die das Kind leicht mit den Händen greifen kann, zum Beispiel Stücke von reifem Obst, gekochtem Gemüse oder Brot – immer in sicherer Schnittform.

 

Angeboten werden sollte eine breite Palette an Lebensmitteln, vorzugsweise frisch und saisonal. Die Leitlinien des „Tellers für gesunde Ernährung“ können dabei ein einfaches und intuitives Hilfsmittel für die Zubereitung ausgewogener Mahlzeiten sein.

 

Ebenso wichtig ist es, zu wissen, welche Lebensmittel zu Beginn vermieden werden sollten. Zu den zu vermeidenden Lebensmitteln beim Baby-led Weaning, wie auch bei der traditionellen Beikosteinführung, gehören: Honig, Kuhmilch als Getränk, Muscheln und Meeresfrüchte, große Fischarten, Pilze, zugesetztes Salz, Zucker sowie rohe Proteine wie Eier, Fleisch und Fisch.

 

Bevor mit dem Baby-led Weaning begonnen wird, ist es unerlässlich, Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu halten und sich über geeignete Schnittformen und Konsistenzen zu informieren. Es wird außerdem empfohlen, an einem Kurs zur pädiatrischen Ersthilfe (z. B. zum Umgang mit Verschluckungsnotfällen) teilzunehmen, was generell bei Kindern sinnvoll ist.

 

Mit entsprechender Unterstützung kann Baby-led Weaning sicher umgesetzt werden, sodass das Kind beim eigenständigen Erkunden der Nahrung wohlbehalten begleitet wird.


Bibliografia

 

  1. https://www.epicentro.iss.it/allattamento/alimentazione-complementare-infantile-linea-guida-oms-2023
  2. https://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/healthy-eating-plate/translations/italian/